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19.02.2006: 24, Staffel 4
twenty four Wir sehen gerade die 4. Staffel der Serie 24. Meine Güte, die ist echt heftig! Die erste Staffel habe ich noch total verschlungen, super spannend und geil gemacht, ich war bei der Ausstrahlung nicht vom Fernseher weg zu bekommen..

Staffel 2 und 3 waren dann nicht mehr so gut, aber durchaus noch im akzeptablen Rahmen. Staffel 4 ist nun aber echt krass! Ich habe die Befürchtung, dass die die aktuelle Stimmung in der amerikanischen Gesellschaft wieder spiegeln könnte...

Erst einmal: Es geht um arabische Terroristen, die den amerikanischen Staat angreifen, das Thema ist für eine Action Serie ja schon noch okay. Aber in der Staffel wird mindestens in jeder 2. Folge jemand gefoltert, um Informationen zu bekommen. Immer wird das so dargestellt, dass es einfach keine andere Möglichkeit, als die Folter gibt, und dass die in dem Kontext auch durchaus vertretbar ist.

Nun gut, auch Folter könnte ich in einer fiktiven Action Staffel noch durchaus ertragen, selbst James Bond tat das ja schon. Aber es wird heftiger: Ein Präsident, der moralische Skrupel wegen der Folter hat, wird als absolutes Weichei, Versager und nicht stark genug, dieses Amt zu führen, gezeichnet. Weil der Präsident so ein Versager ist, schnappt sich der Held einfach mal eigenmächtig den Gefangenen und bricht ihm alle Finger, um die gewünschten Informationen zu bekommen. Genauer: Er schafft sich einen rechtsfreien Raum, wo er das machen kann. Wohl analog zu den Gefangenen, die die Amis nach Lybien verschicken, um sie dort fern des amerikanischen Gesetzes foltern zu können..

Der Präsident, das Weichei, besitzt doch darauf glatt die Frechheit und will unseren armen Helden wegen seines illegalen Handels gefangen nehmen. Glücklicher Weise sieht er aber dann doch ein, dass er sich geirrt hat und der Held wird gleich wieder voll rehabilitiert und darf eigenmächtig weiter foltern, der Präsident wird wegen seiner Unfähigkeit abgesetzt (er setzt sich sogar selbst ab, weil er sich als zu weich empfindet) und wird durch einen Präsidenten mit mehr Biss ersetzt.

In der letzten Folge, die wir gesehen haben, wurde ich dann richtig sauer: Die Terroristen wollen verhindern, dass wieder mal einer der ihren gefoltert wird. Sie rufen eine Organisation namens "Amnesty Global" an (klingt verdammt nach "Amnesty International", hat auch die gleiche Funktion). Diese naiven Idioten lassen sich von den bösen Terroristen einspannen und schicken einen Anwalt, der sich doch tatsächlich für die Menschenrechte des Gefangenen einsetzt! Die armen Folterer werden so an ihrer doch so wichtigen Arbeit gehindert, den bösen Gefangenen wieder mal zu foltern, um die doch so wichtigen Informationen zu bekommen. Aber selbst der Naivling von Amnesty International -äh- Global sieht irgendwann wenigstens teilweise ein, dass Menschenrechte in dem Kontext manchmal einfach untergeordnet werden müssen..

Der Zuschauer ist immer auf der Seite des Helden, der sich sowohl über den völlig unnötigen Eingriff des Präsidenten wie auch über die naiven Terroristen-Unterstützer von AI tierisch aufregt.

Boah.. Krasses Bild.. Amnesty International aus Naivität als Handlanger der Terroristen.. Ein amerikanischer Präsident, der sich selbst seines Amtes nicht würdig fühlt, weil er doch tatsächlich Skrupel wegen Folter hatte usw.. Da wird so ein bisschen klarer, warum sich bei den Amis niemand so recht über Guantanamo aufregt... Übles Propaganda-Machwerk!

edit

c o m m e n t s
19.02.2006: Grischa
*Achtung Spoiler*
Diese ganze Darstellung des amerikanischen Geheimdienstes bewirkte dann, dass bei uns die Sektkorken knallten, als die Terroristen es endlich schafften, die Airforce One abzuknallen, und es gab einen Szenenapplaus, als der Oberterrorist ein Video mit der Begründung für seine Angriffe aufnahm (er sprach einfach mal nur die Wahrheit).. ;-)
20.02.2006: Klaus
Jepp... Total Genial. Ist ziemlich düster gemacht. Und trotz "Propaganda" die bisher beste Staffel. Wart mal ab, wenn Du das Ende siehst. Einfach das coolste was passieren konnte.
21.02.2006: Grischa
Na mal schauen, ich kann mir noch nicht so recht vorstellen, was den ganzen Mist noch raus reißen kann.. Ich habe zwar schon läuten hören, dass es einer nicht ganz unwichtigen Person am Ende recht schlecht gehen soll, aber ob das das da oben alles aufwiegen kann?
Mal abgesehen davon, dass alle 2 Folgen rumzufoltern auf Dauer einfach mal langweilig und einfallslos ist. Nee.. Bisher ist für mich die Staffel 1 mit Abstand die packendste gewesen. Klasse Story, die von Staffel 4 ist bisher echt nur noch verworren, von einem Anschlag zum nächsten noch übleren hetzen (wobei lustig ist, das es wohl übler ist, den Präsidenten zu killen, als 160 Atomkraftwerke in den Staaten hochzujagen.. Ja Ja.. Die Amis..)
Na wie gesagt: Mal schauen...
23.02.2006: Grischa
Letzte Nacht haben wir die letzten 4 Folgen gesehen.. Pfff... Zugegeben, sie sind wieder etwas spannender und emotionaler, als die davor so waren. Immerhin haben sie es hier doch tatsächlich geschafft, jemanden zu verhören ohne ihn zu foltern (jedenfalls, wenn man es nicht als Folter betrachtet, seinem Vater, dem amerikanischen Verteidigungsminister, sein Schwulsein eingestehen zu müssen ;-))
Aber das Ende? Der Typ, der einen Tag lang ständig gefoltert, fremdes Hoheitsgebiet missachtet und Menschenrechtsorganisationen als naive Terroristenunterstützer verhöhnt hat, kurz: Der all das gemacht hat, wofür wir die Amis im Moment so lieben, setzt sich seine coole Pilotensonnenbrille auf und reitet mit zufriedenem Grinsen in den Sonnenuntergang, wohl wissend, dass er als amerikanischer Held und Vorbild für die Nation gefeiert wird?
Nee echt, das muss ich nicht haben.. Ich bleibe dabei: übles Propaganda-Machwerk und überhaupt nicht zu vergleichen mit der geilen ersten Staffel.
24.02.2006: Klaus
Ich würde es anders interpretieren:

Der Held, der den ganzen Scheiss machen musste, um zu verhindern das etwas schlimmes passiert, bekommt seine 2. Chance und kann sich versuchen ein neues Leben aufzubauen. Fern von diesem Job, der ihn bis auf das Letzte ausgelaugt und fertig gemacht hat.

Und das ist das eigentlich geniale daran.

Der Held hatte einen Stufenweisen abstieg seiner Psyche und bekommt jetzt eine neue Chance. Die Chance, die ihm Anfang der 4. Staffel verwehrt wurde, als er wieder in die CTU reingezogen wurde.

Und btw. Wir lieben die Amis, weil sich ihr egotrip ungefiltert und undifferenziert und aus den offensichtlichen falschen/vorgeschobenen Gründen gegen Unschuldige entlädt. Folter usw. ist nur noch ein Symptom. Aber bei weitem nicht die Ursache.

Und das ist meiner Meinung eigentlich der Grundtenor der Staffel.

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